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Der Paulus-Zyklus
Der Apostel Paulus ist der Patron des Bistums Münster. Der Hohe Dom steht als Kathedralkirche unter seinem Patrozinium, und das von den Bischöfen bevorzugte Schloss Ahaus hatte deshalb bis zu den Auswirkungen des Reichsdeputationshauptschlusses im Jahre 1803 eine nahe Beziehung zu diesem Heiligen.
 
Als sich die Frage stellte, wie die im Rahmen des Wiederaufbaues des Schlosses völlig neu konzipierten Innenraumfolgen auszugestalten wären, ging die Antwort zunächst auf Wandmalereien oder ähnliches aus. Dann aber fiel die Entscheidung zugunsten von plastischen Gestaltungen, die in einzelnen Verweilräumen angebracht werden sollten. 1952 bis 1954 entstand der mit positiven und gegebenenfalls negativen Reliefformen gestaltete „Paulus-Zyklus" von der Hand des Sauerländer Bildhauers Eugen Senge-Platten. Sein Auftraggeber war der damalige Oberkreisdirektor Felix Sümmermann.
Innerhalb unterschiedlicher Formate, die sich aus den Schieferplatten ergeben, sind Ereignisse aus dem Leben des Völkerapostels vor Augen gestellt. So zeigt sich in der ersten Platte dieses Zyklus die Berufung des Heiligen. Die Hauptfigur ist frontal ungefähr in die Mitte des Formates erhoben. Je zwei Nebenfiguren sind links und rechts dagegen abgesenkt und nur mit ihren Köpfen und Händen für den Betrachter sichtbar. -
Die zweite Platte verbildlicht die Steinigung Pauli. Sie ereignet sich in einem Querformat. Die am größten bemessene Gestalt des Apostels stürzt von links nach rechts. Im oberen Bereich der Bildfläche drängen die Halbfiguren von drei Peinigern hervor. Sie werden vermehrt durch die abgekehrten Büsten von zwei männlichen Personen im unteren Bereich. -
Als gestrecktes Querformat ist die dritte Platte anzusehen. Ihre Ränder sind möglichst naturbelassen. Die beherrschende Profilfigur des redenden Apostels findet sich in der Nähe zur linken Bildbegrenzung ein. Der Redner gestikuliert lebhaft. Die im Schiefer angedeuteten akustischen Wellen scheinen sich auf die am unteren Plattenrand hockenden Zuhörer, die ihre Gesichter von dem Redner abwenden, auszudehnen. -
Das nach oben konisch zulaufende Querformat der vierten Platte birgt die Abbilder von insgesamt sechs Personen in sich. Drei zu drei halten einander frontal sichtbar zusammen. Die Apostel Petrus und Paulus haben sich im ersten Konzil der Kirchengeschichte zum Gedankenaustausch in Distanz gesetzt. Ihre unmittelbaren Begleiter stehen zu ihnen. Alle Personen winkeln ihre rechten Unterarme nach der linken Körperseite ab während drei sichtbare Unterarme aufgestützt oder angelehnt bleiben. Die Hände sind teils geballt, teils weisend. Es geht offenbar um die gemeinsame Überwindung der Distanz durch den Hinweis auf nur ein Ziel. -
Die fünfte Platte ergibt ein Hochformat mit möglichst naturbelassenem Umriss. In dem mit zwei positiven Bögen unterschiedlicher Spannung abgeteilten unteren Bildteil ruht im Rücken aufgestützt die Ganzfigur des Apostels. Das Dreiviertelprofil seines Gesichtes ist nach links gewendet. Paulus bemerkt gegen Ende seines Lebens in den Händen eines auf ihn niederschwebenden Engels eine Krone, die ewige Belohnung für seine irdischen Mühen.
Der Bildhauer Senge-Platten versuchte, den ungebrochenen Glaubensmut des Apostels auf das Bewusstsein des Betrachters wirken zu lassen. Thematische Grundlagen für die Gestaltung des „Paulus-Zyklus" sind der 1. und 2. Korintherbrief, die Apostelgeschichte, der Galaterbrief und der 2. Timotheusbrief aus dem Neuen Testament.
(W. Dräger, Sehenswürdigkeiten in Ahaus, 1994, S. 37f.)
Darstellung im Geodatenatlas Kreis Borken
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