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Der „Westfalenwall“ – Hitlers letztes Bollwerk oder militärisches Armutszeugnis?

Hochinteressanter Vortrag im Ahauser Schloss.

Das Unternehmen Westfalenwall trägt viele Facetten. Es spiegelt im kleinen überschaubaren Rahmen all das, was zum Wesen und zum Alltag des NS-Regimes (vor allem seiner letzten Monate) gehörte. Mit seiner Planung und seinem Bau präsentierte die Gauleitung Westfalen-Nord quasi stellvertretend für die braune Führung in Berlin jene Züge, mit denen das Dritte Reich seit seinem Antreten, spätestens aber seit September 1939, schlimme deutsche und europäische Geschichte schrieb.

 

Der Bau des Westfalenwalls wäre gewiss besser unterblieben. Hätte also die Gauleitung nicht auf die Anlage dieser aufwendigen und letztlich völlig wertlosen Verteidigungsmaßnahme verzichten können? Die Antwort ist ein klares Nein. Der Bau des Westfalenwalls war konsequent und von einer ganz bestimmten Logik diktiert. Nach der von oben befohlenen Rundumverteidigung des Reiches mit zusätzlichen rückwärtigen Stellungen konnte der Gau Westfalen-Nord nicht einfach ausscheren. Die Gauleitung wird dies auch kaum gewollt oder auch nur erwogen haben. Bis auf eine unbelehrbare Minderheit dürfte das Gros der politischen Leiter des Reiches ab Sommer 1944 erkannt haben, dass man unweigerlich auf eine Niederlage zusteuerte. Dies einzusehen, war dieses Gros intelligent genug, aber es sich und der Öffentlichkeit einzugestehen, dafür war es nicht klug und nicht mutig genug.

 

Wie Psychopathen, weder kompromiss- noch konzessionsbereit, klammerten sich die Mitglieder des Führerkorps mit allen Mitteln an die Macht, an das Aufrechterhalten der eigenen ungeteilten und unteilbaren Macht. Wer totalitär regiert und totalen Krieg führt, kennt nur Sieg oder totale Niederlage. Diese Schizophrenie hatten all jene mit auszubaden, die dem Westfalenwall als Schanzer oder auf irgendeine sonstige Weise zuarbeiten mussten.

 

Den Westfalenwall überhaupt bauen zu können, verdankte die Gauführung nicht der Stärke der Wehrmacht, nicht dem militärischen Widerstehenkönnen, sondern den Alliierten, die nach ihrem schnellen Vorstoßen durch Nordfrankreich vor dem Westwall verhielten und damit den braunen Machthabern eine Atempause, eine Gnadenfrist verschafften. Hätte Eisenhower anstelle des Befehls zum Anhalten seinem draufgängerischen Panzergeneral Patton ohne Rücksicht auf logistische Engpässe freie Fahrt ins Rheintal und ins Reichsinnere gegeben, wäre es niemals zu einem Unternehmen „Westfalenwall“ gekommen.

 

Seinem militärischen Wert nach war der Westfalenwall ein billiger Papiertiger, ein obsoletes taktisches Mittel, aus vielfachen Verlegenheiten geboren, vergleichbar etwa den polnischen Lanzenreitern, die im September 1939 die deutsche Panzerlawine aufzuhalten suchten. Wenn schon die weit stärker ausgebaute und mit geübten, regulären Truppen besetzte Verteidigungslinie an der französischen Kanalküste nicht gehalten werden konnte, dann konnte der Westfalenwall kein ernsthaftes Hindernis darstellen. Am Ende entpuppte sich die von der Gauführung hochgejubelte Verteidigungsmaßnahme als groß angelegter Schwindel. Der Westfalenwall war ein typischer Teil des letzten Aktes im braunen Überlebenskampf, eine wie ein Animationstheater aufgezogene, vom Regime als lebensverlängernd entworfene und doch zwangsläufig zum Scheitern verurteilte Maßnahme, eine – wenn man so will – weitere Variante des „schönen Scheins“, mit dem die Gauleitung zum einen sich selber betören, zum andern der Bevölkerung des Gaues etwas Grandioses vorgaukeln wollte.

 

Soweit Dr. Adolf Vogt in seinem Vortrag am Mittwoch, den 11. Februar, im Fürstensaal des Schlosses Ahaus. Eine recht große Zuhörerschaft war im bei seinen markanten Worten aufmerksam gefolgt.

 

In der anschließenden Diskussion meldeten sich auch zwei ehemalige Schanzer zu Wort und schilderten anschaulich ihre Erlebnisse. Weiter angeregt wurde die Diskussion auch durch einige projizierte Bilder aus der Kriegszeit, aber auch aus der Zeit in der Vogt für seine Arbeit im Ahauser Raum recherchiert hat.

 

Der Heimatverein Ahaus und die Gesellschaft für historische Landeskunde werteten den Abend als eine gelungene Veranstaltung im Rahmen der Präsentation heimatgeschichtlicher Forschungen.



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