Dass die Hochzeit nicht nur Paare und ihre Familien verbindet, sondern auch Kulturen einander näher bringen kann, zeigt die Ausstellung "Evet - ja, ich will", die seit Samstag in der Villa van Delden an der Ahauser Bahnhofstraße zu sehen ist.
Bürgermeister Felix Büter begrüßte etwa fünfzig Gäste zur
Ausstellungseröffnung im Feierraum der Villa. Er lobte ausdrücklich die
Initiative der Ausstellungsmacher Franz-Josef Weuthen und Bruno Wolf vom Ahauser
Heimatverein und Enver Gürbüz vom Türkisch-Islamischen Kulturverein Ahaus, die
mit Unterstützung durch Frau Dr. Margret Karras vom Kulturamt der Stadt am
Beispiel der Hochzeit einen vergleichenden Blick in die Vergangenheit beider
Kulturen ermöglicht hätten. Auch Franz-Josef Weuthen stellte bei der Einführung in die Ausstellung die
Absicht der Autoren heraus, durch das vergleichende Betrachten Vorurteile
überwinden zu helfen und über die erkannten Gemeinsamkeiten Begegnungen zu
ermöglichen und zu vertiefen.
Enver Gürbüz war dankbar für die Einladung des Ahauser Heimatvereins an den
Türkisch-Islamischen Kulturverein, an dieser Ausstellung mitzuwirken, sei es
doch ein Zeichen dafür, dass Ahaus nicht nur für die Ahauser, sondern auch für
die türkischen Mitbewohner zur Heimat geworden sei.
In einem Zwiegespräch ließen Weuthen und Gürbüz dann auch Unterschiedliches und
Gemeinsames im Zusammenhang mit der Geschichte der Hochzeit im Münsterland und
den ländlichen Gebieten der Türkei erkennbar werden.
Mit herzlichem Dank an die Leihgeber, die Mitgestalter und Unterstützer lud
Weuthen dann zur Besichtigung der Exponate, die im gesamten Obergeschoss der
Villa van Delden ausgestellt sind. Der Raum 1 enthält einen exemplarischen Überblick über den Ablauf einer westmünster- ländischen
Bauernhochzeit. Durch Heiratsregister des Zivil- und Personenstandes in Ahaus
und der Ahauser Kirchenbücher sowie Familien-Stammbücher wird die Darstellung
der Entwicklung der Hochzeit als Gegenstand kirchlichen und staatlichen
Rechtes, belegte: vom Pfarramt zum Standesamt. Raum 2 zeigt Exponate zur historischen staatlichen und religiösen Hochzeit in
der Türkei, vornehmlich auf dem Lande. Auffällig ist hier die Buntheit der
Kleidung, die Vielfalt der Geschenke, nicht zuletzt der
"Brautschatz", der die Grundlage für die materi elle Existenz der
Frau im Falle einer Trennung bildete und per Vertrag vor dem Imam der
Verfügungsgewalt des Mannes entzogen war. Raum 3 gibt Auskunft über die mit der Hochzeit verbundene Aussteuer der Braut,
über Gebets- und Andachts-bücher und über religiöse Anleitungen für Frauen und
Männer vor und in der Ehe. Er zeigt Einladungs- und Glückwunschkarten sowie
Telegramme zur Hochzeit in ihrer Vielfalt der grafischen und textlichen
Gestaltung und widmet sich auch dem Rosmarin und der Myrte, den immergrünen
Symbolpflanzen für ewige Treue. Raum 4 schließlich zeigt, dass der Buntheit und Farbenpracht der türkischen
Hochzeit in den Landstrichen Deutschlands, in denen in der Geschichte und zum
Teil auch heute noch Trachten getragen werden, etwas Entsprechendes gegenüber
steht. Hingewiesen wird dabei auch auf manchen Aberglauben, der mit Teilen der
Kleidung und einzelnen Handlungen bei den Hochzeitsfeierlichkeiten verbunden
gewesen ist. Verteilt über alle Räume finden sich Hochzeitskleider und im Entree sogar ein
komplett ausgestattetes Hochzeitspaar vom Anfang des vorigen Jahrhunderts.
Die Vielfalt des Gebotenen und die Sorgfalt der Darbietung fanden bei den
Besuchern hohe Anerkennung und großes Lob bis hin zum Urteil "Unbedingt
empfehlenswert".
Die Ausstellung
ist geöffnet samstags von 14 bis
18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr und feiertags von 11 bis 18 Uhr.
Gruppenführungen sind nach Vereinbarung unter Tel. 02561/5525 (Weuthen)
möglich.